"Das erregende Leben des Jägers der Steinzeit
ist in unseren sozialen
Träumen als Ausdruck unserer
biologischen Vergangenheit
erhalten geblieben" (René Dubos, Biologe)
Die längste Periode seiner Entwicklungszeit war der Mensch Jäger. Jahrzehntelange
Forschung, die Bauern als "fortschrittlich" gegenüber "primitiven" Jäger-
und Sammlervölker bezeichnet, setzt sich bei vielen Anthropologen
und Wissenschafter nicht mehr durch. Diese vertreten die Auffassung, dass mit
dem Aufgeben der Jagd und dem Bewirtschaften ein "Kampf gegen die Umwelt" begann.
Als Jäger hatte der Mensch gelernt sich viele körperliche und geistige Fähigkeiten
anzueignen wie z.B. selbständig handeln, wachsam zu sein und das Wild mit Geschicklichkeit
zu überlisten. Der Beginn der Landwirtschaft war zwar die Einleitung der Lebensform "Zivilisation" unterwarf den Menschen aber
auch an einen festen Ort, wo er dann vom Wetter abhängig war und Wildtiere,
die sich nicht in das bäuerliche Schema einordneten, versuchte auszurotten.
Die Jagd der Steinzeit mag hart gewesen sein, erfüllte jedoch nicht nur den
Zweck der Selbsterhaltung sondern war auch Bestandteil der Religion und eine
Form des Vergnügens.
Das älteste Jagdwerkzeug war wahrscheinlich eine Keule aus einem großen Knochen
eines Beutetiers und schwere Steine. Eine bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts
ausgeübte Jagdmethode war es, große Beutetiere,
wie Mammuts oder
Büffel in den tiefen Schnee zu treiben und dann zu erlegen.
Da die frühen Menschen noch nicht nähen konnten, waren Sie auch auf große
Pelztiere angewiesen, deren Felle Sie wärmten. Um diese zu erlegen mussten
sie um ihre Verwundbarkeit auszugleichen ihren Verstand einsetzen und zusammenarbeiten.
Der Höhlenbär, das bedeutendste Beutetier
der Steinzeit wurden nach einer klimatischen Veränderung vom Mammut abgelöst,
das entweder ins tiefe Moor getrieben und dort erlegt, oder durch große Fallen,
bzw. durch Fallgruben bezwungen wurde.
In Mitteleuropa löste das Pferd dann das
Mammut als Hauptbeutetier ab. In der Jungsteinzeit wich das Pferd dem Rentier. Die Bejagung blieb die gleiche, Treibergruppen die
auch Feuer einsetzten, trieben die Tiere in einen Engpass, in einen Abgrund
oder einen See. Diese Technik wurde noch im 19. Jahrhundert von Indianern ausgeübt.
Die Jagdwaffen der
Jungsteinzeit waren schon sehr ausgereift: Pfeil und Bogen, Speerschleuder oder
Atlatl (Speerschleuder aus kurzen Stock mit Kerbe, in die das Speerende eingesetzt
wird, um eine größere Wurfweite zu erreichen).
In der Jungsteinzeit begann auch die Ausbreitung der Landwirtschaft und Domestikation
der Wildtiere. So entstand der Hund als
Jagdgefährte. In dieser Periode wurde schon vorwiegend Fleisch des domestizierten
Tieres verzehrt. Man nahm Mühsal und Einseitigkeit hin, um ein sicheres Leben
zu führen, jedoch war man immer noch in der Lage weiterzuziehen, war also anfänglich
noch nicht seßhaft.
Gut entwickelte Landwirtschaftsbereiche waren ein umstrittenes Gut der unterschiedlichen
Stämme. Die tüchtigsten Jäger wurden als Krieger eingesetzt, und der beste von
ihnen wurde der Stammeshäuptling. So waren die Grundsteine für eine gesellschaftliche
Schichtung gelegt worden.
Die Rangobersten hatten Privilegien, darunter das Recht, Wild zu jagen. Es
wurde mehr Land bestellt, und die Wildherden schrumpften. Das Wild existierte
in geschützten Bereichen weiter und Jagen wurde ein Symbol des gesellschaftlichen
Status. Jagd als reines Element der gesunden Lebensgestaltung, Jagd als Sport
war entstanden.
Schon in den Anfängen kann man in den Malereien der Höhlen bei Lascaux und Font-de-Gaume in Frankreich erkennen, welch hohen Stellenwert die Jagd hatte.
Nachdem die Jagd nicht mehr zur Befriedigung der Grundbedürfnisse diente hat
sie jedoch nicht an Bedeutung verloren, was man sehr gut an den Malereien des
Altertums, z.B. bei den Ägyptern, erkennen kann.
José Ortega y Gasset bezeichnet den Jäger als "wachsamen Menschen", denn "nur
der Jäger sieht alles, indem er die ständige Wachsamkeit des wilden Tieres nachahmt".
Die Pharaonen veranstalteten Hofjagden mit
Hetzhunden. Sie saßen dabei in Streitwägen und schossen Pfeile ab oder erlegten
die größeren Tiere mit Speeren. Beutetiere waren Löwen, Wildrinder, aber auch
Kleinwild. Enten wurden mit Wurfspießen gejagt, jedoch war diese Jagd nur erfolgreich
weil damals mehr Gefieder am Nil anzutreffen war als heute.
Aber auch die Assyrer und Perser liebten die Jagd. Ein assyrischer Herrscher soll bei einer Jagd 450 Löwen, 390
Wildrinder, 200 Strauße und 30 Elefanten erlegt haben. Weiters soll er mit zusätzlichen
Tieren eine Einfriedung gefüllt haben, um diese am darauffolgenden Tag zu bejagen.
Die altpersische Bezeichnung für diese Einfriedung war "Paradies".
Auch in Griechenland und Rom war die Jagd sehr beliebt, und diente der "Erziehung
zur Männlichkeit". Plato verwendet Jagdmetaphern,
um damit auszudrücken, dass der Philosoph auf der Suche nach Gerechtigkeit die
gleiche Geisteshaltung anstreben soll, die auch ein guter Jäger besitzt. In
"Cynegticus", dem ersten bekannten Handbuch über die Jagd, schrieb der griechische
Heerführer Xenophon fest: "Männer, die die Jagd lieben.... gewinnen Gesundheit
des Körpers, einen schärferen Blick, besseres Hörvermögen und ein längeres Leben."
Zu dieser Zeit wurden Wildschweine mit
einem kurzen Speer und einem Schwert bejagt. Hunde waren die treuen Begleiter
bei dieser nicht ungefährlichen Jagdmethode. Hierbei wurde Jagd als Sport betrieben
und artete nicht in eine sinnlose Abschlachtung aus.
Die Jagdmethoden haben sich geändert, jedoch bleibt der Grundgedanke immer
derselbe: "Jagd kann nur dann als wirklicher Sport aufgefasst werden, wenn das
Wild eine faire Chance zum Entkommen behält und wenn der Jäger, wenn auch nur
theoretisch, sich einer gewissen persönlichen Gefährdung aussetzt."
Der Niedergang des römischen Reiches zog auch die Jagd in Mitleidenschaft.
Man kennt ja die Gladiatorenkämpfe im Kolosseum und weiß, dass ausgehungerte
Sklavenmädchen von Krokodilen zur Volksbelustigung zerissen wurden. Es wurden ganze Provinzen von großen Tierarten entblößt.
Die Jagd war zu einem reinen Blutvergießen entartet.
Eine neue Jagdform, die von Turkestan im Mittelalter nach Europa kam, war
die Falknerei. Marco Polo berichtete im
13. Jahrhundert vom chinesischen Herrscher Kublai Khan, der mit 10 000 Falkner
und etwa 500 Geierfalken, außerdem Wanderfalken..... und anderen Falken in großer
Anzahl und Hühnerhabichte, die Wasservögel jagten."
Anfänglich durch alle Schichten verbreitet, wurde sie ein Privileg der oberen Schichten. Mit dem Goldadler zu jagen war sogar ein reines Privileg
des Kaisers. Die Falknerei prägte auch die damalige Kunst und Kultur. Das "Boke
of St. Albans" war 1486 das erste gedruckte, englischsprachige Jagdbuch. Es
behandelte die Falknerei und berichtete von einem großen Interesse seitens der
Kirche, trotz ihrer offizieller Verurteilung. Mit dem Verschwinden der großen,
offenen Landgebiete durch den Pflug war eine logische Konsequenz die Dezimierung
der Falkner.
Der fränkische Herrscher König Dagobert erließ im 7. Jahrhundert die ersten "Waldgesetze", welche besagten, dass nur
der König und Edelleute ein Jagdrecht hatten. Im Jahre 1016 erließ König Knut
in England das erste Jagdgesetz, dass für das Jagen auf königlichen Gründen
die Todesstrafe vorsah. Als die Normannen
1066 England eroberten änderten sich die Jagdmethoden. Das zuvor in Trichtern
den Jägern zugetriebene Wild wurde vom Pferd aus mit Hilfe von Hunden verfolgt.
Hörner wurden geblasen, um die Verbindung zwischen den Jägern aufrecht zu erhalten,
bis der Hund das Wild gestellt hatte.
Mitte des 14. Jahrhunderts kamen die ersten Feuerwaffen zum Einsatz. Die anfänglich unhandlichen und ungenauen "Handkanonen" wurden
weiterentwickelt und es entstanden nach den langen und schweren Gewehren leichte,
kürzere Flinten. Danach kamen doppelläufige Flinten zum Einsatz. Besonders überlegen
war ein deutsches Modell mit französischem Steinschloß, die "Jäger-Büchse".
Ihr typisches Merkmal war ein mit einem Schiebedeckel verschlossenes Fach im
Kolben, in dem man Feuersteine und Wischlappen unterbringen konnte.
Im 18. Jahrhundert wurde diese in der Neuen Welt mit einem längeren Lauf und
einem kleineren Kaliber versehen. Diese hauptsächlich in Pennsylvania hergestellte
Büchse wurde unter dem Namen "Kentucky Rifle" bekannt.
Im Osten der USA war man schon immer bestrebt mit dem Stammland England wett
zu eifern und es gab zahlreiche Treibjagden mit Hunden. George Washington war ein großer Anhänger der Fuchsjagd.
Zwischen 1830 und 1870 kamen schon zahlreiche Europäer in den Westen um Bisons mit Pistolen aus der Nähe zu erlegen. Innerhalb von 15 Jahren waren die Bisons
von den Prärien verschwunden...
Aber nicht nur die Bisons verschwanden. Nach und nach wich auch der Hirschbestand
und sämtliche Jagdgesetze konnten das wilde, ungeregelte Abschlachten nicht
verhindern, da diese als "Überbleibsel" der Tyrannei Englands angesehen wurden
und auf Ablehnung bei den "befreiten" Amerikanern stießen.
Es muß erwähnt werden, dass Abschlachtungen,
wie sie sich beim Großwild ereignet hatten, nicht wiederholt haben. Wobei "Abschlachtungen"
nicht nur amerikanischer Natur waren. Auch Spanien, Frankreich und Deutschland
boten blutige Schauspiele, die nichts mehr mit Jagd zu tun hatten, wobei Tiere
in Engpässe getrieben, teilweise in bizarre Kleidungsstücke gesteckt und abgeschlachtet
wurden.
Durch die Dezimierung der Bisons und Hirsche - die Großwildjagd hatte dadurch
einen Tiefpunkt erreicht - konzentrierte man sich danach auf die Geflügeljagd.
Während es vorerst Sitte war auf den sitzenden Vogel zu schießen änderten sich
diese Ende des 19. Jahrhunderts und man gab den ersten Schuß auf das Wasser
ab um dann im Sinne der Sportlichkeit auf den fliegenden Vogel zu zielen.
Schließlich wurde auch eine Jagdmethode entwickelt, die den Entenbestand in
den USA und Kanada deutlich dezimierte. Eine hohe Anzahl an Lockentenattrappen
in Verbindung mit einem Senkkasten. Der in der Attrappe liegende Jäger konnte
tiefstreichende Enten aus geringer Entfernung am Wasser schießen. Besonders
an der Atlantikküste wurde die Anzahl der Enten verheerend dezimiert.
Eine andere Möglichkeit war die "Trichter"-Falle an der Nord- und Ostseeküste, bei der das schmale Ende eines Trichters verschlossen
war und das breite Ende weit herausragte. Ein Hund trieb die Enten in den Trichter.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderten sich die jagdsportlichen Gebräuche
aufgrund des politischen, sozialen und philosophischen Wandels. Auch in Amerika
sah man langsam ein, dass die Wildbestände nicht unerschöpflich waren. Besonders
Henry William Herbert, der unter dem Pseudonym Frank Forester Jagdsportartikel
schrieb, stellte einen "Ehrenkodex der Jäger" auf. In "Frank Forester´s Field Sports", "America Game in Its Seasons" und "The
Complete Manual for Young Sportsmen" vertrat er die Auffassung des "Fair Play".
Er vertrat die Meinung, das Wild müsse eine faire Chance haben, Tiere seien
nur zu gewissen Jahreszeiten und nur auf bestimmte Art zu erlegen und man müsse
ästhetische Beweggründe zum Jagen haben.
Auch in Europa gab es lange Zeit wirtschaftliche Beweggründe zur Jagd, aber
im Gegensatz zu Amerika waren die Eigentümer der Jagden daran interessiert ihr
Revier nicht komplett auszurotten. Die Repetierwaffen setzten sich bei den Jägern in Europa lange nicht durch, da man die Ansicht
vertrat, es sei unsportlich mehr als zwei Schuss hintereinander abzugeben.
Der Fortschritt war aber nicht aufzuhalten, die Büchsenmacherei wurde perfektioniert
und bald waren die letzten weißen Flecken auf der Landkarte erkundet. Die Jagd
auf die "wilden" Tiere begann.
Afrika südlich der Sahara war an erster
Stelle bei Großwildjagden. Burische Farmer zogen ins Innere des Kontinentes
und schossen einen Großteil des Wildes ab, wobei auch die Produkte der Tiere,
wie Felle und Elfenbein eine begehrte Handelsware waren. Wie in Amerika wurden
auch in Afrika die großen Herden schnell dezimiert. Vor dem ersten Weltkrieg
kamen auch noch andere Überseeregionen als Jagdgebiete in Mode. Es wurde vielen
indischen Wildarten nachgestellt.
In Indien wurde auch mit Windhunden Kleinwild
nachgestellt. Für die Pfauenjagd wurden eigens englische Vorstehhunde nach Indien
gebracht. Das Wild hatte in Indien im Gegensatz zu Afrika den Vorteil, sich
in den dichten Regenwäldern verbergen zu können, wodurch sich die Dezimierung
etwas in Grenzen hielt. Tiger wurden sehr lange Zeit vom Elefanten aus bejagt.
Treiber trieben den Tiger zum Jäger; es war nicht ungefährlich, da Tiger auch
nicht provoziert angreifen.
Bis ins 20. Jahrhundert änderte sich nicht
mehr viel. Die Waffentechnik wurde verbessert und die Jagdhunderassen änderten
sich. Das "Goldene Zeitalter der Jagd" wurde durch Bevölkerungsexplosion, Industrieausbreitung
und Unabhängigkeitsbewegungen beendet. Jetzt ist man bemüht, die noch übrigen
Wildbestände zu erhalten, in der Dritten Welt kommen diese Bemühungen leider
oft zu spät. Nur in Europa und Nordamerika konnten durch strenge Regelungen
einige Wildarten wieder die Populationszahlen des "Goldenen Zeitalters" erreichen. |